Verrückte Zeiten! Ein KoWa-in-Corona-Zeiten-Einblick

Vorneweg: Uns geht‘s gut. Wir sind gesund, wir haben Platz, wir sind nicht allein und Langeweile kennen wir nicht. In Krisenzeiten wird vielen von uns nochmal bewusster, welche Vorteile gemeinschaftliches Zusammenleben und eine gemeinsame Ökonomie haben können.

Wir wollen euch einen kleinen KoWa-in-Corona-Zeiten-Einblick geben – und wünschen gute Gesundheit, Durchhaltevermögen und Weitsicht.

Grün und bunt

Nach langem Bangen ist es nun soweit: Die Bunte Beete Saison ist seit gestern eröffnet, der Verkauf unserer gehegt-gepflegten Bio-Jungpflanzen darf stattfinden und die Leute strömen nur so herein. Nur die Märkte sind noch unsicher – hoffentlich bekommen wir alle Pflänzlein los. Eigentlich sollte unser Ab-Hof-Verkauf dieses Jahr jeden Samstag mit Kaffee-Kuchen im unserer Kulturkneipe Spatz begleitet werden – das fällt leider in‘s Wasser.

An die Arbeit!

In‘s Wasser fallen auch sämtliche Seminare unseres Tagungshausbetriebs, das sonntägliche Tangotanzen im Spatz, Caterings, unser Kulturstammtisch und weitere Veranstaltungen. Schade. Und doof, weil Einnahmen wegfallen. Aber abgesehen von Sorgen um Gesundheit können wir froh sein, keine ökonomischen Existenzängste zu haben. Mit der gemeinsamen Ökonomie sichern wir uns gegenseitig ab. Und wir können nicht wegen fehlender Mietzahlung rausgeschmissen werden.

Wir waren höchst kreativ darin, uns sofort andere Betätigungsfelder auszusuchen: Sehr fleißig wird gerade an einem neuen Boden für den Spatz gewerkelt. Die Seminar-Badbaustelle ist kurz vorm Abschluss. Und im Garten wird das Bewässerungssystem verfeinert und jede Menge gegossen (Wann regnet es endlich??).

Pessimismus im Geist, Optimismus in der Tat

Es fällt nicht leicht, die aktuelle Lage einzuordnen. Immer wieder überkommt uns die Angst: Was, wenn Mitbewohner*innen, die zur Risikogruppe gehören, erkranken? Wie wird es den kleinen Geschäften in Waltershausen ergehen, wie Alleinerziehenden, wie Kindern in zerrütteten Verhältnissen? Wer könnte die Krise zu seinen Gunsten ausnutzen – die Handy-Überwachung, Ausgangssperren, Versammlungsverbote, Medizinprofite? Wie geht‘s den Geflüchteten an den EU-Außengrenzen? Wie den Leuten in Ostafrika, deren Ernten gerade durch klimawandelbedingte Heuschreckenplagen zerstört werden – und dere Nöte derzeit komplett untergehen?

Statt Ohnmacht haben wir uns für Handeln entschieden – da, wo es irgendwie geht. Wir haben versucht, nachbarschaftliche Hilfe anzuleiern und uns zu vernetzen. Manche von uns sind an einer Kampagne gegen die bedingungslosen Milliardenpakete für die Flugindustrie beteiligt: #SavePeopleNotPlanes. Am 5. April setzten Menschen auf dem Marktplatz Waltershausen als Teil einer deutschlandweiten Aktion ein Zeichen, um die Auflösung der katastrophalen Geflüchtetenlagern auf den griechischen Inseln und an der türkisch-griechischen Grenze und einen solidarischen Neustart der EU-Asylpolitik zu fordern: #LeaveNoOneBehind (siehe Foto).

Ob die Zukunft solidarischer wird?

Und manchmal, zwischendrin, blitzen da auch Funken Hoffnung auf. Zum Beispiel, wenn wir gemeinsam mit Tausenden am Fenster stehen und musizieren. Vielleicht schaffen wir es, dass die Welt nicht komplett zum „business as usual“ zurückkehrt? Dass die Wirtschaft anders wieder hochfährt, die Gesellschaft gerechter, ökologischer aufgebaut wird, dass neue Millionen Tote durch Feinstaub von Fliegern und Autos verhindert und positive Erfahrungen mit einer gewissen Entschleunigung gemacht werden, dass Online-Konferenzen langfristig Arbeitsflüge ersetzen, Pflegenotstand und Privatisierungen von Krankenhäusern hinterfragt und die Sinnhaftigkeit von Open Source Medikamenten deutlich werden… Wir wollen hoffen, dass die kollektiven Anstrengungen zukünftig auch für die Verhinderung der Klimakrise eingesetzt werden. Aber hoffen reicht nicht – dafür braucht es unser gemeinsames Engagement.

15. April 2020 | Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.